Gibt es einen Weihnachtsmann?
 

Vier Adventskränze zuviel
 

Das Weihnachtsevangelium des kleinen Markus
 

Die Wichtelmänner
 

Bei den Wichteln
 

Der allererste Weihnachtsbaum
 

Die Geschichte von den Lebkuchen
 

Der Weihnachtsteller

Der erste Christbaum bei den Waldbauern

Der Irrtum
 

Die Legende vom Weihnachtsstern
 

Was die Maus träumt
 

Die Christrose
 

Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern
 

Das Weihnachtsgeschenk
 

Wie der alte Christian Weihnachten feierte
 

Das Englein mit dem goldenen Näschen
 

Der Irrtum

Klein Franz ist ganz allein zu Haus, er fürchtet sich so sehr, denn heute kommt der Nikolaus zum ersten Mal hierher.
Doch Vater, der versprach ihm ja, dann wieder hier zu sein, auch Mutter ist bald wieder da, dann bleibt er nicht allein. Doch plötzlich poltert es ans Tor, da klopft doch jemand an; der Knabe spitzt erschreckt das Ohr - das ist der Weihnachtsmann!
Von Fränzchens Stirne tropft der Schweiß, er fühlt sich schwach und klein. Doch dann beschließt er kreideweiß: “ ich lasse ihn herein . So öffnet er das Eingangstor - das ist der Nikolaus???
Ein armer Bettler steht davor, Franz zieht die Stirne kraus.
“ Hm “, denkt er sich, “ von einem Stock, hat Vater mir erzählt, von einem roten Rock, von einem Sack - doch alles fehlt. Nur dieser dieser dichte Bart, so weiß wie Schnee.....das ist bestimmt der Weihnachtsmann, der sieht ja harmlos aus, der macht mir nichts, ich seh`s ihm an, ich lasse ihn ins Haus.”Der Bettler tritt erfreut herein, es leuchtet sein Gesicht. Von seinem Herzen fällt ein Stein - er ahnt den Irrtum nicht. Im warmen Hause hört sich Franz die schönsten Märchen an, und seine Augen glänzen ganz :“ Sprich weiter,  Weihnachtsmann. “
Doch bleibt dabei die Zeit nicht stehn, bald ist es finstre Nacht. Der Bettler meint :” Jetzt muß ich gehn, es ist schon zehn nach acht.”
Franz läßt ihn traurig aus dem Haus, es war so wunderbar :” Auf Wiedersehen, Nikolaus, komm wieder nächstes Jahr!”
Doch kaum ist dieser erste fort, klopft es schon wieder an, Klein Fränzchen staunt, wer steht denn dort? Ein zweiter Weihnachtsmann?
Ja sieh, wie Vater mir gesagt, ein Rock aus rotem Tuch, und aus dem vollem Sacke ragt - die Rute und das Buch! Doch seht euch nur den Vollbart an, der ist aus Watte gar,
dies ist ein falscher Weihnachtsmann, das ist doch sonnenklar! “ He, Nikolaus, was suchst du hier?! Dein Bart ist selbst gemacht - Du meinst, ich fürchte mich vor dir? das währe ja gelacht! Der wirklich echte Nikolaus, der kehrte bei mir ein. er sah bedeutend echter aus, zwar war er etwas klein - doch hör, sein Bart beileibe nicht, gib`s zu, ich habe recht!”
 “Tja,” stammelt da der Weihnachtsmann, “ dann muß ich leider gehen, wenn ich zu dir nicht kommen kann - nun denn, auf Wiedersehen!”
So stapft er weiter durch den Schnee, Franz scheint es sonderbar; er kommt wohl nie auf die Idee, daß dies ein Irrtum wahr!
                                                                                          
( Urs Bühler )

Die Legende vom Weihnachtsstern

Click mich an...Eine alte Weihnachtsgeschichte berichtet von einem kleinen mexikanischen Mädchen, daß so arm war, daß es kein Geschenk kaufen konnte, um es am Heiligen Abend in die Kirche zur Krippe zu bringen.
Traurig blieb es vor der Kirchentür stehen und sah zu, wie die anderen ihre Geschenke hineintrugen.
In der Nähe befand sich eine steinerne Engelsfigur, die fast ganz von Unkraut überwuchert war. Das kleine Mädchen begann das Unkraut auszureißen, als es eine Stimme hörte: “ Bringe dieses Unkraut in die Kirche, und das Christkind wird dich und die Pflanzen segnen.”
Das Mädchen sammelte einen Arm voll Unkraut und ging in die Kirche zur Krippe. Da wurden die Blätter an der Spitze jedes Stengels plötzlich leuchtend rot, als würden sie brennen.
Seither ist diese Blume ein Weihnachtssymbol. Sie heißt Poinsettia , aber die Menschen nennen sie Weihnachtsstern.
                                                            
( Satomi Ichikawa )

Was die Maus träumt

Es war ein bitterkalter Heiligabend in einer kleinen Stadt im kalten Norden Mexicos. Eine kleine braune Maus saß zitternd im Schnee. “ Wo soll ich heut Nacht bloß schlafen? Ich werde erfrieren “, piepste sie zähneklappernd. da sah sie eine Kirche. Die große schwere Holztür stand einen Spaltbreit offen, und ein Lichtstrahl fiel nach draußen auf den Schnee. Die Maus spähte hinein - niemand war da.
Auf dem Boden war eine Krippe aufgebaut. Wie schön, dachte die Maus, und ging näher heran. Bestimmt hat keiner was dagegen, wenn ich hier übernachte. Sie betrachtete die starren Tonfiguren. Maria und Joseph sahen liebevoll zum Baby, das im Heu lag, und um die drei herum standen die Stalltiere.
Die Maus dachte : Das arme Baby friert bestimmt. Es hat ja fast nichts an. Wenn ich neben ihm schlafe, können wir uns gegenseitig wärmen. Und sie kuschelte sich an das Christkind und schlief ein. Im Traum hörte sie Stimmen.
“ Arnes Ding”, sagte jemand leise. “ Bestimmt ist sie müde und friert”.
“Wir müssen sie mit Heu zudecken”, sagte eine Männerstimme. Die Maus lächelte im Schlaf, als sie fühlte, wie jemand sie vorsichtig zudeckte und eine kleine Hand ihr über den Kopf streichelte. Als der Priester am nächsten Weihnachtstag die Kirche betrat und die Krippe sah, staunte er nicht schlecht, er beugte sich nach unten, um besser sehen zu können.
“ Na so was!” flüsterte er. “Da liegt eine Maus beim Jesuskind und schläft! Und was für ein merkwürdigen weißen Fleck sie auf dem Kopf hat! Wie mag der da hingekommen sein? Hm, das ist bestimmt eine ganz besondere Maus.”
Gerade in diesem Moment wachte die Maus auf. “ Keine Angst “, sagte der Priester freundlich, “ Ich tu dir nichts. Von nun an kannst du hier in der Kirche wohnen.”
Die Maus war so glücklich! Sie sah den Priester an und dann das Christkind. Und da bemerkte sie, daß es ihr einen Moment lang zulächelte.
Seit diesem Tag lebte die Maus in der Kirche. Und auch ihre Kinder und Enkelkinder lebten dort, und alle hatten sie einen weißen Fleck auf dem Kopf.

                                                                                   ( Rosario Valderrama )

Der Weihnachtsteller

Als ich zusammen mit meinen gleichaussehenden Kollegen in den bunten Weihnachtsteller gelegt wurde, war mir schnell klar, jetzt heißt es warten und reifen bis zum Fest. Ich roch herrlich nach Butter und Rum und meine Zuckerglasur stand mir besonders gut.

"He" rief ein dicker Marzipankartoffel neben mir "mach dich nicht so breit."
"Du mußt reden", beschwerte sich eine herrlich aussehende Kokosmakrone rechts von mir, "du machst dich doch breit wie ein fetter Christstollen".
Sie lächelte mir freundlich zu und ich strahlte zurück. Was wäre wohl, träumte ich, wenn wir unsere Zutaten zusammenmischten? Es käme bestimmt etwas besonders süßes heraus.
Ich sah mich um. Ein bischen eng wars schon auf diesem bunten Teller, aber die Farbenpracht und der Geruch waren einmalig. Ich freute mich schon auf den großen Tag. Wenn eine kleine Kinderhand nach mir greift und mich genußvoll verschlang. Das ist eben für uns Plätzchen die Krönung.
Meine nette Kokosmakrone neben mir war eingeschlafen. Ihr zarter Duft machte mich ganz schwindelig.

"Bist du neu hier"? Ich äugte nach links oben von wo diese tiefe Stimme kam und schaute auf den wohl bestgelungensten Gewürzlebkuchen aller Zeiten.
 Er trotze nur so vor Korinten, Rosinen und Schokostückchen.
"Ja, ich bin noch ganz warm" sagte ich. "Du siehst sehr appetitlich aus, so rund und saftig" lobte er mich.
 "Danke, aber nichts gegen dich. Du bist fantastsich." Der Lebkuchen räkelte sich richtig unter meinem Kompliment. "Stimmt ich bin wirklich gut gelungen. Die Hausherrin probierte ein neues Rezept. Sie hat sich sehr viel Mühe gegeben". "Ach Papperlapapp" schimpfte der dicke Marzipankartoffel auf ein Neues, "Ihr mit eurem Geschwätz. Spätestens bis zum 2. Weihnachtsfeiertag werdet ihr einfach in volle Bäuche gestopft und keiner wird sich mehr an eure Aussehen erinnern, oder an eurem Geruch. Ihr seid eingebildete Narren."

"Vielleicht hast Du recht", pflichtete ich ihm bei, "aber unsere Aufgabe ist es nun mal gut auszusehen und zu schmecken." "Wenn du so weiter meckerst", lachte ein Butterplätzchen schräg oben von uns, "wird dich keiner mehr vernaschen, weil du nämlich bis dahin sauer geworden bist."
Wir lachten alle schallend und der Marzipankartoffel wurde ganz dunkelbraun vor Wut. Meine süße Kokosmakrone war aufgewacht und hatte uns eine Weile wortlos zugehört.

 "Versteht Ihr denn den Sinn dieses Festes überhaupt nicht? Es geht doch nicht darum, wer am besten gelungen ist , die schönste Farbe hat und am leckersten schmeckt. Oder wer den besten Platz im runden Teller hat. Wichtig ist nur, daß wir alle wie wir hier liegen, Freude bereiten und dazubeitragen, daß es ein gelungenens und frohes Fest wird.
Und wenn wir uns bis dahin alle vertragen werden sich unsere Aromen vermischen und wir alle werden unvergesslich schmecken. "

Es wurde sehr still im buntgemischten Weihnachtsteller. Der Marzipankartoffel rutschte noch ein bischen weiter nach unten, aber er sagte nichts mehr. Die anderen nickten zustimmend.
Ich schaute stolz auf meine kleine Kokosmakrone,denn was sie gerade sagte ist das beste Rezept was je geschrieben wurde
.


Veröffentlichung auf dieser Seite mit freundlicher Genehmigung der Autorin Babara Pronnet
 

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