Bei den Wichteln

Der Opa hatte es schon Mama erzählt, als sie noch ein Kind war .Und Mama hatte es Lena erzählt :
In der Adventszeit arbeiten die Wichtelmännchen und die Wichtel Frauchen Tag und nacht fleißig in ihren
Werkstätten für den Weihnachtsmann.
Der bringt dann all die schönen Geschenke den Kindern am heiligen Abend. Die Werkstätten der Wichtel sind tief im Wald, manchmal unter der Erde oder in einer Höhle oder in Baumwurzeln versteckt.
Lena hatte auch ein Bilderbuch, das Mama in jedem Jahr in der Adventszeit wieder hervorzauberte .
In dem war aufgemalt, wie es in den Werkstätten aussah und was die Wichtel alles bauten und bastelten und nähten.

Auch in diesem Jahr war das Büchlein am ersten Advent plötzlich wieder da. “ Ich möchte so gern ein Wichtel sehen !” sagte Lena ,als sie sich das neue alte Buch angeguckt hatte.
“ Das ist aber schwierig !” meinte Mama. “ Sie sind sehr menschenschaue und wollen bei ihrer
Arbeit nicht gestört werden. Deshalb haben sie ihre Werkstätten ja auch im Wald versteckt !
Aber manchmal kann man ein Zeichen oder eine Spur von ihnen sehen. Vielleicht hast du Glück !”
Lena dachte jetzt oft an die kleinen Wichtelfrauchen mit den roten Mützen und die kleinen Wichtelmännchen mit den grünen Mützen.
Manchmal tragen Wichtel übrigens auch braune Mützen! Dann, wenn sie ihre Werkstätten einmal verlassen müssen.
Denn braune Mützen kann man auf dem Waldboden nicht so leicht entdecken !
Das hatte Mama Lena erzählt. Und Mama wußte es schon von Opa.
Am zweiten Advenstsonntag wollten Papa, Mama, Lena und Hanna am Nachmittag spazieren gehen.
Es lag noch kein Schnee, aber es war ziemlich kalt. Lena wollte unbedingt in den Wald ! Vielleicht würde sie ja doch irgendwo ein braunes Mützchen entdecken ?
Zuerst gingen sie auf einem breiten Waldweg entlang, aber Lena dachte sich, daß die Wichtel hier bestimmt nicht sein würden.
Doch was war das ? Krrrrrchchch ! Brrraaammmm ! Am Rande einer Lichtung hatte sich ein dünner , hoher Baum langsam zur Seite geneigt. Dann splitterte Holz, und schließlich fiel der Baum um.
Laut war es und irgendwie unheimlich!
“ Jetzt guckt euch das an ! sagte Papa erstaunt.
“ Da haben die Wichtel doch noch einen Baum gefällt ! Das Holz hat wohl nicht ausgereicht für das viele Spielzeug !”
“ Wir wollen hinlaufen !” rief Lena. “ Ich will die Wichtel sehen !”
“ Eigentlich sollten wir sie lieber nicht stören !” meinte Mama lächelnd. Aber Lena war längst zwischen den Bäumen verschwunden . Eilig hüpfte sie über Zweige, Äste und Wurzeln, die auf dem Waldboden lagen .
Mama, Papa und Hanna gingen langsam hinterher. Als sie bei dem gefällten Baum angelangt waren, saß Lena auf dem Stamm und suchte angestrengt den Waldboden ab.
“ Ich sehe keine Wichtel sagte sie ganz enttäuscht.
“ Sie haben dich wahrscheinlich kommen hören. Die Zweige haben so geknackt !” meinte Papa. “ Komm, wir gehen noch ein bisschen weiter .”
Die Bäume standen jetzt dichter beieinander. Der Wald wurde dunkler ; Lena trottete hinter den anderen her und versuchte immer noch , auf dem dunklen Boden ein braunes Mützchen zu entdecken.
“ Lena, komm mal schnell !” rief Mama da plötzlich ganz aufgeregt.
Eilig lief Lena zu ihr hin.
Mama stand vor einer riesigen alten Baumwurzel, die schon vor langer Zeit aus dem Boden gerissen worden war. An einigen Stellen war sie ein bisschen vermodert, und Moos wuchs darauf.
“ Du Lena, es könnte sein, daß hier Wichtelfrauen und Wichtelmänner wohnen und ihre Werkstätten haben. Seid mal ganz leise !” sagte Mama mit geheimnisvoller Stimme.
Vorsichtig schlich sich Lena an das Wichtelhaus heran. “ Da vorn. Das könnte der Eingang sein “, flüsterte sie und zeigte auf einen großen verwitterten dunklen Fleck, wo eine Spalte tief in die Wurzel hineinging. Daneben baumelte ein Stückchen Holz lose von oben herab. Lena tippte sachte mit einem Finger dagegen und sagte :” Das könnte die Türglocke sein !”
“ Ruf sie doch mal leise !” ermunterte Mama sie.
“ Wichtel, hallo , Wichtel !” rief Lena leise. Sie stand gebückt vor dem Eingang und lauschte. Aber es kam  keine Antwort.
“ Was ist denn das !” rief Mama, die um die Ecke gegangen war. Lena lief zu ihr hin. Da lag auf dem Waldboden ein kleines Stück blauer Stoff mit weißen Blümchen darauf. Ganz sauber sah er aus !
“ Den haben sie bestimmt verloren, als sie die Sachen in die Werkstatt gebracht haben. Daraus werden Puppenkleider gemacht !”flüsterte Lena aufgeregt.
“ Wir lassen den Stoff besser liegen “, sagte Mama leise . “ Sie werden ihn sicher noch brauchen !”
Aufgeregt ging Lena noch einmal zum Eingang zurück.
Vielleicht, ja vielleicht würde sie doch einen Wichtel sehen, wenn er zur Haustür hinausschlüpfte. Sie hockte sich vor den Eingang und rief noch einmal :” Wichtel, hallo , Wichtel !”
Während sie angestrengt die Tür anguckte, fiel ihr plötzlich etwas auf : Da lag etwas, was vorher nicht da gewesen war.
Zwei Schokokringel nämlich, mit bunten Perlen obendrauf. Sie lagen direkt vor der Haustür !
“Hanna!” schrie Lena laut. “ Die Wichtel haben uns gehört, sie wollen bloß nicht rauskommen !
Aber sie haben uns ein Geschenk rausgelegt ! Für jede einen Schokokringel !”
Vorsichtig hob sie die Kringel auf und gab einen Hanna. Dann sagte sie leise :” Tschüß liebe Wichtelmännchen und Wichtelfrauchen. Ich will euch nicht länger stören. Und vielen Dank für das Geschenk !”
Hanna hatte ihren Schokoladenkringel sofort aufgegessen. Aber Lena trug ihn behutsam nach Hause und legte ihn noch ein paar Tage neben ihr Bett.
Er war schließlich etwas Besonderes !
Er war von den Wichteln
                                                     
  ( Ute von Brisinski )

Die Geschichte von dem Lebkuchen

click mich an.....

Das ist nun schon viel hundert Jahre her, da hat in Nürnberg, der berühmten Stadt , ein dicker runder Bäckermeister gewohnt.
Aber nicht nur aufs Backen verstand er sich, er war auch ein grundguter Kerl.Das herz tat ihm immer weh, alle Jahre, wenn es auf sankt Nikolaustag oder Weihnachten zuging.
“ Du liebes Christkind “, brummelte er, “ was soll ich diesmal nur Leckeres backen, daß du es den Kindern bringst ? Immer Brot und nur Brot und nichts als Brot, das geht doch nicht ! Ach , was mach ich nur, ich armer , dicker, runder Bäckermeister ? “
Er besann sich hin, besann sich her . dann aber - die Hagebutten wurden schon rot und die Haselnüsse braun und der Wind schüttelte die Kastanien von den Bäumen - kaufte er sich ein Notizbuch, packte seine Siebensachen und befahl der Katze, sie solle die Mäuse kurzhalten, damit sie ihm nicht das ganze Mehl für die Weihnachtsbäckerei wegfräßen.
 “ Denn ich will doch sehen, was es sonst noch zu backen gibt als Brot und immer nochmal Brot “.
Er schloss die Tür hinter sich ab und wanderte hinaus in die Welt.
Zuerst kam der dicke runde Bäckermeister nach Regensburg. Aber soviel er sich auch umschaute, hier gab es nur Brot und Regensburger Würstchen. “ Nichts für mich !” dachte er und machte , daß er nach München kam. Aber die Münchner Salzbrezeln, damit konnte er nun mal gar nichts anfangen. Zu Weihnachten Salzbrezeln ?!
Das wäre ja noch schöner!
So tippelte der dicke runde Bäckermeister weiter, immer noch war sein Notizbuch leer.Nach Frankfurt kam er, da machten sie nur Frankfurter Würstchen und Apfelwein. Sogar in der Kaiserstadt Aachen gab es  die Aachener Printen damals noch nicht. Auch in Köln nur Käsebrötchen, die “ halbe Hähne “ hießen, und nicht mal in Amsterdam backten die Leute Spekulatius.
Aber der Bäckermeister ließ den Mut nicht sinken und wanderte ostwärts.
Die große Stadt Berlin, ja , die stand damals noch gar nicht !
Nur Wald und Sumpf. In dem Wald aber traf er einen uralten Einsiedler.
Der lebte von Eicheln und Haselnüssen. “ Am besten gehen sie mal nach Wien “,
 sagte der Einsiedler zu dem Bäckermeister.
“ Da soll `s Wiener Würstchen geben , fabelhaft !”
Aber der dicke runde Bäckermeister hatte nun genug.
“ Es hilft alles nichts”, dachte er ,“ ich will lieber zurück nach Nürnberg !”
Er wanderte einen Tag um den anderen. Da endlich kam er in die böhmischen und bayrischen Wälder.
Als es Abend wurde und Nacht, traf er zum Glück auf ein Häuschen . Das stand tief unter den dunklen Fichten. Dicht neben dem Häuschen war ein großer, schwarz verräucherter Backofen. Oh, so etwas gefiel dem dicken runden Bäckermeister !
Er klopfte bei dem Häuschen an, klopfte noch einmal und noch einmal. Da endlich wurde es lebendig drinnen.
Die Tür ging auf, und darin stand eine uralte Frau, die krächzte:” Mitten in der nacht? Das sind mir ja feine Manieren !
Ich bin nämlich die Waldfrau, und mit mir ist nicht gut Kirschen essen !”
So schimpfte sie, fuchtelte mit ihrem Krückstock und wackelte mit dem Kopf.
“ Keine Angst, Mütterchen “, sagte der brave Bäckermeister. “ Ich bin müde vom langen Weg. Ein Eckchen auf der Ofenbank habt ihr sicher für mich ?”
“ Hunger hast du wohl auch ?” knurrte die Alte. “ Scher dich ! Ich hab nichts wie Lebkuchen und Pfeffernüsse, und du glaubst gar nicht, wie satt ich es bin, das süße Zeug!”
Der Bäckermeister riß Mund und Augen auf. “ Was habt ihr ? Süße Lebkuchen und süße Pfeffernüsse ?
Sagt das noch einmal !”
“ Du hast wohl Rattennester in den Ohren ?” giftete die Waldfrau. “ Lebkuchen und Pfeffernüsse !Lebkuchen und Pfeffernüsse !Lebkuchen und Pfeffernüsse !”
Dem Bäckermeister rollten vor Freude die dicken Tränen herab. “ Dann ist ja alles gut “, “ ich hab nämlich nur Brot “
“ Was hast du ?” schrie die Alte, “ bist du verrückt? Brot hast du ? Ich weiß nicht einmal, was Brot ist ! Sag , ist das süß oder sauer ?”
“ Brot ? Das ist mehr sauer “ ,sagte der Bäcker.
“ Sauer ? “ rief die Waldfrau. “ Sauer ist Brot ? Oh wie lecker, wie lecker !”
Und sie packte ihn bei der Hand und riß ihn mit in den Hausflur, daß er fast der Länge nach hingeflogen wäre.
Bald aber saßen sie zusammen auf der Herdbank. Der dicke runde Bäckermeister kramte alles, was er zu essen bei sich hatte, aus der Tasche. Die Alte stopfte das Brot Brocken für Brocken in den Mund, schlang wie ein Wolf, schmatzte und schluckte.
Und der Bäcker verdrehte die Augen vor Wonne und aß süße Lebkuchen und Pfeffernüsse.
“ Nun hab ich`s. wonach ich suchte “, sagte er , “ und brauche nicht mehr durch die ganze Welt zu rennen. Denn du, Waldfrau , sagst mir doch gewiß , wie man die Dinger mischt und mengt, buddelt und knuddelt. Und wieviel Zucker und Salz, Butter und Schmalz, Pfeffer und Zimt und was sonst dazu gehört. Dafür verrate ich dir das mit dem Brot !”
Da freute sich die Alte, tanzte wie ein Brummkreisel im Häuschen herum, verlangte neues Brot, mampfte und pampfte, und zwischendurch wisperte sie dem Bäckermeister zu, wie man Lebkuchen und Pfeffernüsse backt.
Der dicke runde Bäckermeister aber hatte bald sein Notizbuch vollgeschrieben und die Rezepte für sechserlei Brot der Waldfrau mit Kreide auf die Tür gekritzelt.
Früh am Morgen dann wanderte er weiter und kam gerade heim, als es zu weihnachten anfing .
Zu Hause war auch alles in schönster Ordnung. Die Katze war auf dem Posten gewesen, und die Mäuse hatten keine guten Tage bei ihr gehabt, gut und schneeweiß war das Mehl.
Noch am selben Tag fing das Backen an : Lebkuchen und Pfeffernüsse und noch einmal Lebkuchen und Pfeffernüsse.
Die Leute der Stadt Nürnberg waren sehr verwundert. Denn alle Abend, sowie es dunkelte, ging’s los, klingklang , durch alle Gassen.
Das waren die Weihnachtsengel mit ihren Schlitten. Kam einer mit einem vollen Sack aus dem Bäckerladen ,
so hielt schon der nächste , brrrr!, sein Pferdchen an und stieg aus.
Ein Duft aber nach süßem Backwerk und Engelsflügeln hing über der Stadt. Und tausend Heiligenscheine glitzerten blau, silber und golden durch den Schnee.
Seht, so kamen die Nürnberger Lebkuchen und die Pfeffernüsse in die Welt und in jedes Weihnachtshaus.
Das Märchen ist nun aus.
                                                                                          
( Wilhelm Matthiessen )

<<< Zurück Weiter >>>
1 2 3 4 5 6