Wo die Zweige am dichtesten hangen ,
die Wege am tiefsten verschneit ,
da ist um die Dämmerzeit
im Walde das Christkind gegangen .

Es mußte sich wacker plagen ,
denn einen riesigen Sack
hat`s meilenweit huckepack
auf den schmächtigen Schultern getragen .

Zwei spielende Häschen saßen
geduckt am Rain .
Die traf solch blendender Schein ,
daß sie das Spielen vergaßen .

Doch das Eichhorn hob schnuppernd die Ohren
und suchte die halbe Nacht ,
ob das Chrstkind von all seiner Pracht
nicht ein einziges Nüßchen verloren .

( Anna Ritter )

Ich kenn ein Bäumchen gar fein und zart , das trägt euch Früchte seltener Art .

Es funkelt und leuchtet mit hellem Schein weit in des Winters Nacht hinein .

Das sehen die Kinder und freuen sich sehr und pflücken vom Bäumchen und pflücken es leer .

( Volksgut )

Die Nacht vor dem heiligen Abend , da liegen die Kinder im Traum ;
sie träumen von schönen Sachen und von dem Weihnachtsbaum .

Und während sie schlafen und träumen , wird es am Himmel klar ,
und durch den Himmel fliegen die Engel wunderbar .

Sie tragen ein holdes Kindlein , das ist der Heil`ge Christ ;
es ist so fromm und freundlich , wie keins auf Erden ist .

Und wie es durch den Himmel still über die Häuser fliegt ,
schaut es in jedes Bettchen , wo nur ein Kindlein liegt .

heut schlafen noch die Kinder und sehn es nur im Traum ,
doch morgen tanzen und singen sie um den Weihnachtsbaum.
                              
( Robert Reinick )

Morgen , Kinder , wirds was geben,morgen werden wir uns freun !
Welch ein Jubel, welch ein Leben wird in unserm Hause sein !
Einmal werden wir noch wach, heissa , dann ist Weihnachtstag !

Wie wird dann die Stube glänzen von der grossen Lichterzahl !
Schöner als bei frohen Tänzen eingeputzter Kronensaalt.
Wisst ihr noch , wie vor`ges Jahr es am heil`gen Abend war ?

Wisst ihr noch die Spiele, Bücher und das schöne Hottepferd ,
schöne Kleider, wollne Tücher, Puppenstube, Puppenherd ?

Morgen strahlt der Kerzen Schein, morgen werden wir uns freun !
                                                                    
( August von Fallersleben )

Schneebedeckt am Waldessaum
steht ein kleiner Tannenbaum.
Er ist traurig, kann nicht versteh`n,
warum alle Menschen vorübergeh`n.
Zum Weihnachtsfest suchen sie nur große Bäume aus,
holzen sie ab und nehmen sie mit nach Haus.

Dann wird dem Bäumchen ums Herz so schwer.
Es wünscht sich: wenn ich doch groß erst wär `!
Nun wächst das Bäumchen Jahr für Jahr.
Am Stamm und den Zweigen man es schon sah.
Aus dem Bäumchen wurde ein großer Baum.
Er ist jetzt so groß wie der Weihnachtsmann.

Bald ist es mit seiner Einsamkeit aus.
Ein Ehepaar nimmt ihn zum Fest mit nach Haus:
Man schmückt ihn so schön, er ist kaum zu erkennen.
Endlich darf er sich nun auch “ Christbaum “ nennen.

Doch ist Weihnachten vorbei - ihr glaubt es kaum ,
rieselt nicht nur der Schnee, sondern auch unser Baum .

Leise, vom Winde verweht
vom Dorfkirchlein die Glocken rufen
es ist Weihnachtszeit, besinnliche Zeit.
Macht euch für den inneren Frieden bereit !

Ein einsames Mütterlein traurig am Fenster steht,
die Hände gefaltet im stillen Gebet.

Das Herz voll Traurigkeit, kein bisschen Licht,
doch plötzlich erhellt sich ihr Gesicht.
Sie hört eine Stimme die zu ihr spricht :

Verzage nicht !

Und die Glocken vom Dorfkirchlein rufen ihr zu :
Weihnachtszeit, fröhliche Zeit,

sei auch du zum inneren Frieden bereit.

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Welch helle Töne hallen aus der Ferne !
Wie wird`s auf einmal mir so weh , so bang !

Zum Kirchgang laden freundlich alle Sterne
und ruft der Kerzenschein und Orgelklang.
                           ( August von Fallersleben )

Ein armer Junge jammert  im Bette :
“Ach, wenn ich doch auch einen Weihnachtsbaum hätte !!” Kaum hatte er diese Worte gesprochen,
kommt mancherlei aus dem Ofen gekrochen :

Ein Schaukelpferd, Wagen und Bleisoldat,
eine Trommel, ein Buch ,ein Kaufmannsladen,
ein Eisenbahnzug und ein Reifenspiel,
ein Luftschiff, ein Fahrrad, ein Automobil
und Äpfel und Nüsse und Zuckerschaum
und ganz zuletzt noch ein Weihnachtsbaum.

Die Engel im Himmel singen mit Macht
das Festlied : Stille Nacht , heilige Nacht .
                                    
( Joachim Ringelnatz )

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